Plastische
Chirurgie

Was
ist Plastische Chirurgie?
Bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. machten in Indien "plastische Chirurgen"
durch die sensationelle Rekonstruktion der menschlichen Körperoberfläche
von sich reden: Ihnen gelang der Überlieferung zufolge die erste
Nasenersatzplastik. Von Indien aus verbreitete sich die hohe Kunst der
filigranen Wiederherstellung von Form und Funktion auch in andere Länder.
Damals wie heute übte und übt die Plastische Chirurgie eine
gewisse Faszination auf die Öffentlichkeit aus. Gleichzeitig wird
diese übergreifende chirurgische Disziplin oft fälschlich auf
einzelne Teilbereiche reduziert. Ein kurzer Streifzug durch die Aufgabengebiete
der VDPC-Ärzte soll Ihnen einen Einblick in die vielfältige
Arbeit eines Plastischen Chirurgen geben.
Die
vier Säulen der Plastischen Chirurgie
Die Plastische Chirurgie wird von vier Säulen getragen:
- Ästhetische
Chirurgie
- Rekonstruktive
Chirurgie
- Verbrennungschirurgie
- Handchirurgie
Mikrochirurgie,
Laserchirurgie und Endoskopie sind methodische Besonderheiten, die in
allen Bereichen eingesetzt werden. Keine der vier tragenden Säulen
ist entbehrlich. Methodisch ergänzen sich diese Bereiche und bilden
das Gesamtgebäude der Plastischen Chirurgie.
Ästhetische
Chirurgie
Unter Ästhetischer Chirurgie versteht man diejenigen Eingriffe, die
nicht der Beseitigung einer Erkrankung, sondern der Verbesserung des äußeren
Erscheinungsbildes dienen. Dabei handelt es sich in der Hauptsache um
formverändernde Operationen. Die wesentliche medizinische Aufgabe
des Plastischen Chirurgen liegt in der Beratung des Patienten. Bewertet
werden die Operabilität, d.h. ob eine Operation der gewünschten
Art grundsätzlich durchführbar ist. Dazu gehört auch eine
Abschätzung des Risikos: welche Komplikationen könnten auftreten
und wie hoch liegt die Erfolgswahrscheinlichkeit. Nicht umsonst wird für
diese Kategorie von Operationen eine besonders ausführliche Aufklärung
verlangt, denn der Schritt zur Operation ist die persönliche Entscheidung
des Patienten. Aus diesem Grunde gibt es immer wieder die Notwendigkeit,
von einer Operation abzuraten. ganz besonders in diesem Punkt sieht die
VDPC eine Verpflichtung für ihre Mitglieder und fordert herausragende
Qualifikationen.
Der ästhetische
Aspekt wird natürlich bei allen plastisch-chirurgischen Operationen
mitberücksichtigt. Form und Funktion sind immer zusammengehörig.
Jede plastisch-chirurgische Operation muss zu einem formal befriedigenden
ästhetischen Resultat führen. Das gilt auch für andere
Bereiche der Plastischen Chirurgie, wie die Hand- oder die Verbrennungschirurgie.
Rekonstruktive
Chirurgie
Die Rekonstruktive Chirurgie befasst sich mit der Wiederherstellung der
Körperoberfläche nach Tumoroperationen oder Unfällen aber
auch mit der Schaffung normaler Formen und Funktionen bei angeborenen
Fehlbildungen. Wegen der Vielfältigkeit der Defekt-Größen,
-Arten und -Lokalisationen ist eine große Methodenvielfalt notwendig.
Mikrochirurgische Techniken zur Verpflanzung großer durchbluteter
Hautareale, von Gewebekombinationen unter Einschluss von Muskeln und Knochen
haben wesentlich erweiterte Möglichkeiten zur Wiederherstellung eröffnet,
z.B. um gelähmte Gesichtsmuskeln zu ersetzen oder große offene
Knochendefekte nach Unfällen oder Tumoren zu überbrücken.
Dadurch ist umgekehrt natürlich auch eine größere Radikalität
beispielsweise in der Tumorchirurgie möglich geworden, die die Chancen
zur Heilung des Tumorleidens verbessern hilft.
Verbrennungschirurgie
Ähnliche operative Methoden wie in der Rekonstruktiven Chirurgie
werden auch in der Verbrennungschirurgie eingesetzt. Unmittelbar nach
der Verbrennung geht es allerdings primär um die Erhaltung des Lebens.
Verbrannte, abgestorbene Teile der Körperoberfläche zu entfernen
und durch frühzeitige Defektdeckung die großen Verluste von
Flüssigkeit einzudämmen, ist das erste Ziel. Bei großen
Verbrennungsflächen müssen besondere Techniken des Hautersatzes
angewandt werden, da eine Verpflanzung gesunder Hautflächen das Problem
des Verbrannten nur noch verschlimmert. Erst nach Überwindung dieser
kritischen Zeit beginnt die meist lange Phase der schrittweisen endgültigen
Wiederherstellung der Körperoberfläche. Die Vermeidung oder
Beseitigung von ausgedehnten Narbenflächen erfordert langandauernde,
konservative Behandlungen und immer wieder Operationen, die durch mikrochirurgische
Techniken der Gewebeübertragung deutlich verbessert werden. Verbrennungspatienten
sind daher häufig jahrelang behandlungsbedürftig, bis ein tragbarer
Endzustand von Form und Funktion erreicht wird.
Handchirurgie
Ein bedeutender Bereich der Plastischen Chirurgie ist die Handchirurgie.
Die grundsätzlichen Methoden der Plastischen Chirurgie finden an
der Hand besonders komplex und differenziert ihre Anwendung. Meist müssen
viele Methoden miteinander kombiniert eingesetzt werden, um den auf engstem
Raum zusammenliegenden unterschiedlichen Strukturen gerecht zu werden.
Auch hier war die Mikrochirurgie Motor für große Fortschritte.
Die Replantation abgetrennter Finger oder ganzer Gliedmaßenteile
sind bekannte Beispiele. Weitere Fortschritte wurden durch Muskelverpflanzung
zur Wiederherstellung der Bewegung gelähmter Extremitäten erzielt.
Kombiniert mit Operationen an den Nerven lassen sich gelegentlich sogar
völlig funktionslose Arme wieder für Hilfsfunktionen verfügbar
machen.
VDPC

Die
Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen,
kurz VDPC, ist offizieller Vertreter der deutschen Plastischen Chirurgie
und vertritt die allgemeinen und berufspolitischen Interessen der Plastischen
Chirurgie.
Zweck
und Aufgabe der VDPC ist die Entwicklung und Erhaltung der Plastischen
Chirurgie in Deutschland als selbständige Monospezialität. Dazu
gehört:
- Die Förderung
der Plastischen Chirurgie in praktischer und wissenschaftlicher Hinsicht.
- Die Forschung
und Entwicklung von Techniken, Methoden und Fähigkeiten.
- Sicherung
und Entwicklung der Ausbildung zum Plastischen Chirurgen.
- Etablierung
von Qualitätsstandards der Plastischen Chirurgie.
- Weiterbildung
zum Facharzt der Plastischen Chirurgie, was die
- Qualifizierung
der Mitglieder auf breiter Basis ermöglicht.
- Ärztliche
Fortbildung von ausgebildeten Fachärzten, zur Sicherung der Qualität
der VDPC-Mitglieder.
Die VDPC
ist Mitglied im internationalen Dachverband der Plastischen Chirurgen,
der International Confederation of Plastic, Reconstructive and Aesthetic
Surgery IPRAS.
Zweck und
Aufgabe der VDPC ist die Entwicklung und Erhaltung der Plastischen Chirurgie
in Deutschland als selbständige Monospezialität. Dazu gehört
die Förderung der Plastischen Chirurgie in praktischer und wissenschaftlicher
Hinsicht, sowie die Pflege des Gedankenaustausches mit ausländischen
Fachgesellschaften der Plastischen Chirurgie und Kliniken dieses Fachgebietes.
Eine weitere
Aufgabe ist die Förderung der Qualitätskontrolle der Weiterbildung
in praktischer und theoretischer Hinsicht.
Daher stellt
sich die Frage, inwieweit beeinflusst dies die Plastische Chirurgie in
ihrer Weiterbildung und Ausbildung Standards, vor allem auch die Qualitätssicherung.
Was steht uns hier bevor, inwieweit können wir dies beeinflussen
und welche Werkzeuge stehen hier zur Verfügung?
Es gibt mehrere
Organisationen in Europa, die sich speziell mit dieser Fragestellung beschäftigen.
Dies sind außer der U.E.M.S. der für die praktische Durchführung
von der U.E.M.S. akkreditierte European Board of Plastic, Reconstructive
and Aesthetic Surgery sowie die auf einer anderen Ebene einflussnehmende
europäische Sektion der IPRAS, EURAPS als wissenschaftliche und höchstangesiedelte
Gesellschaft, sowie EQUAM, das Komitee für Quality Insurance, vor
allem auch für Medical Devices. Auf der Ebene der europäischen
Kommission sind noch weitere Committees angesiedelt, die in unsere Fachrichtung
hineinregieren können, wie z.B. das Committee of Europeén
Normalisation (CNN) und die Committees, die sich mit allgemeinen Arbeitsbedingungen
befassen. Es ist daher notwendig, sich mit der zukünftigen Gestaltung
unseres Faches im akademischen und berufspolitischen Bereich in Europa
immer mehr zu befassen und intensiv die Publikationen aus Brüssel
zu studieren, um eventuelle notwendige Reaktionen vorbereiten zu können.
Die gemeinsame
Definition der Plastischen Chirurgie war nicht einfach zu finden, da in
den verschiedenen Mitgliedsländern auch verschiedene Meinungen darüber
herrschen. Derzeit ist folgender Wortlaut beschlossen: "Plastic,
Reconstructive and Aesthetic Surgery is a specialty concerned with acut
and non-acut conditions which may be congenital or required as a result
of trauma, disease, degeneration or aging in patients in both sex and
all ages. Its aim is the restauration and improvement of function and
the normalisation of appearance and well being". Der Vorteil dieser
Definition ist, dass die unterschiedlichsten Schwerpunkte, wie sie auch
in den einzelnen Ländern unterschiedlich sind in der Plastischen
Chirurgie, damit in dieser Definition aufgefangen werden können.
Die Qualitätskontrolle,
wie sie durch EQUAM schon organisiert wird, ist für die Zukunft in
einem Staatengebilde, das sich Qualitätskontrollsysteme für
fast jeden Bereich des menschlichen Lebens gibt, auch für uns unvermeidbar
und gerade in der Plastischen Chirurgie einfach durchführbar, da
wir ja mit unseren Resultaten, sei es Funktion oder Form, meist unmittelbar
konfrontiert sind (Gilles). Diese Qualitätskontrolle ist aber auch
wesentlich für die Weiterbildung und Kontrolle der Ausbildungszentren.
Hier leisten die Ärztekammern gute Hilfe, vor allem in diesem Bereich
sind die Universitäten für die Zukunftsprogramme voll gefordert.
Ein Fachgebiet das nicht in der Forschung und nicht an den Universitäten
vertreten ist, kann in Europa auf Dauer nicht überleben.
Die dauernde
Weiterbildung, die Continuing Medical Education, wie sie zur Pflicht werden
wird, muß man überdenken und es ist gut, die bereits vorhandenen
Vorschläge, die aus der U.E.M.S. kommen und in einem ihrer Subkomitees
ausgearbeitet wurden, zu lesen. Man kann sich nicht darauf verlassen,
dass, wie es immer wieder geschieht, einzelne Länder sehr spät
ratifizieren, andere schnell. Wenn man die Entwicklung eng beobachtet,
sieht man auch jetzt schon, dass, wenn auch nicht ratifiziert, doch in
den meisten Ländern die Empfehlungen der Kommissionen der EU zumindest
in Streitfällen als Hintergrund für Verordnungen und Entscheidungen
herangezogen werden.
Es müssen
daher Standards gesetzt werden die den Geiste der europäischen Einheit
entsprechen, nämlich allen Bewohnern und Patienten der Union die
bestmögliche Behandlung auf unserem Fachgebiet zur Verfügung
zu stellen. Dies kann nur durch eine Harmonisierung und Kontrolle der
Weiterbildung sowie der Forschung und der Qualität unseres Handelns
in einer hohen Selbstverantwortlichkeit geschehen.
Allzu leicht
wird unserem Fach ein Mantel des Showbedürfnisses und der Befriedigung
nicht notwendiger und für die Allgemeinheit nicht zugänglicher
Methoden angedichtet.
Neue Technologien,
Innovationen und Techniken sind ganz wesentlich für unser interdisziplinäres
Fach, da wir ein Fach der Techniken sind und nur so eine Berechtigung
haben zu bestehen und weiter zu bestehen.
Die Erforschung
der Wundheilung, die Gentechnologie, die verantwortungsvolle Verwendung
der uns zur Verfügung gestellten Materialien in hohem Qualitätsbewusstsein,
geben hier die besten Möglichkeiten. Die Förderung unseres Nachwuchses,
vor allem auch im Rahmen der Europäischen Union, ist eine Conditio
sine qua non.
Die Europäische
Union hat unserem Fach viele Möglichkeiten gegeben, die wir auch
bereits genutzt haben um es besser zu definieren, klarere Zusammenarbeit
mit den anderen Fächern darzustellen und auch in Aktion zu setzen,
aber auch um eine bessere Selbstkontrolle und ein besseres Selbstverständnis
und Definition unseres Faches zu erreichen.
Die Plastische
Chirurgie als ein Hauptfach wird auch in der Zukunft, hier öffnen
sich die Wege schon über den europäischen Weg, weitere Schwerpunkte
definieren und als Mutterfach akzeptieren müssen, so dass alle Gruppen
dieses Gebietes, wie z.B. rekonstruktiv, handchirurgische, Verbrennungs-Therapeuten,
ästhetische, Grundlagenwissenschaftler ihren Platz unter diesem großen
Schirm finden müssen. Die Wege dazu sind in der EU gebahnt, unser
Nachwuchs muß dies verstehen lernen und wir müssen sie motivieren,
diesen Weg voll aktiv zu gehen. In der klaren Darstellung des eigenen
Faches, in der Selbstkontrolle, Qualität der Continue Medical Education,
in der Zusammenarbeit mit allen anderen Fachgebieten, der Einordnung in
das staatliche und Gesundheitssystem bedingte Berufsbild sowie der gezielten
Forschung, sind die Forderungen der Zukunft in der Europäischen Union,
die man auch von der Union aus unterstützt bekommen wird. Wenn wir
diesen Weg gehen, hat die Plastische Chirurgie in Europa einen guten Platz
und für die Gesellschaft bedeutende Funktion.
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